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Interview mit Luka Mucic: „Die Kunden wollen Cloud-Lösungen“

Seit 1. Juli 2014 ist Luka Mucic Finanzvorstand und Chief Operating Officer der SAP. Zuvor war er unter anderem für alle Controlling- sowie Finanz- und kaufmännischen Aufgaben innerhalb der weltweiten SAP-Vertriebsorganisation verantwortlich. Seine berufliche Laufbahn hatte der Jurist und Betriebswirt im Jahr 1996 in der Rechtsabteilung der SAP begonnen. Im Interview mit dem SAP INVESTOR äußert er sich zum Cloudgeschäft, den Veränderungen im Vorstand und der Aktienkursentwicklung.

Herr Mucic, der Kurs der SAP-Aktie ist im ersten Halbjahr gesunken, während der DAX von Rekord zu Rekord eilt. Wie ist das zu erklären? Wie geht es mit der Dividende weiter?
Bei der aktuellen Kursentwicklung ist zu beachten, dass die SAP-Aktie in den vergangenen drei Jahren stark gestiegen ist und ihr Wert sich in den vergangenen fünf Jahren nahezu verdoppelt hat. Hinzu kommen positive Kommentare vieler Analysten: Zwei Drittel der 25 wichtigsten Analystenhäuser empfahlen vor Kurzem die SAP-Aktie zum Kauf. Im Durchschnitt sahen die Experten ein Kursziel von 67 €, die Bandbreite ihrer Prognosen reichte von 54 € bis 72 €. Bei der Dividende halten wir daran fest, mehr als 30 % des Konzernergebnisses auszuschütten, in den vergangenen beiden Geschäftsjahren waren es jeweils 36 %.

Die SAP ist derzeit dabei, sich und ihr Geschäftsmodell grundlegend in Richtung Cloud zu verändern. Warum ist diese grundlegende Transformation in ein Cloud-Unternehmen so wichtig?
Der Cloud-Software-Markt ist eines der am schnellsten wachsenden Segmente in der Informationstechnologie. Er legte im Jahr 2013 um 15 % zu, der Applications-Markt kam gleichzeitig auf ein Wachstum von 6 %. Die beiden Zahlen machen deutlich, dass die Kunden Cloud-Lösungen wollen. Denn diese Anwendungen sind nicht nur leichter und schneller zu implementieren und zu betreiben, sondern auch für die Kunden einfacher und besser zu finanzieren. Mit unseren Cloud-Lösungen nutzen wir die Chance, in diesem neuen Marktsegment schnell zu wachsen, ohne unser etabliertes On-Premise-Geschäft zu vernachlässigen. Außerdem – und das ist mir als Finanzvorstand sehr wichtig – erweitern wir so den relativen Anteil der vorhersehbaren Erlöse am Gesamtumsatz von derzeit gut der Hälfte auf zwei Drittel in einigen Jahren, was die Stabilität unserer Geschäftsentwicklung weiter stärken wird. Aber Cloud ist keine Einbahnstraße: Kunden können unsere Cloud- und On-Premise-Angebote optimal kombinieren.

Wie profitabel wird das Cloud-Geschäft der SAP künftig sein?
Dank des schnellen Wachstums im gesamten Cloud-Segment sind wir bereits im Jahr 2013 profitabel gewesen. Langfristig ist das Umsatz- und Profitabilitätspotenzial in Cloud-Projekten sogar höher als im On-Premise-Geschäft. In der Cloud finden die Investitionen am Anfang statt. Sobald wir diese Anfangsinvestitionen verdient haben, können wir dort hohe Margen erzielen. Wir gehen davon aus, dass der Umsatz aus einem Cloud-Vertrag nach etwa vier Jahren die Erlöse aus einem vergleichbaren On-Premise-Geschäft übertrifft. Bei der Profitabilität dauert das rund fünf Jahre.

Ein weiteres wichtiges Thema im Cloud-Bereich ist die Datensicherheit. Was tut SAP, um die Kundendaten vor unerwünschten Zugriffen zu schützen?
Eine Menge. So müssen alle SAP-Rechenzentren unternehmensweit einheitliche Standards für physische und technische Sicherheit erfüllen. Das reicht von Zugangskontrollen mit biometrischen Lesegeräten über kugelsichere Mauern bis hin zu ausfallsicheren Stromversorgungen und Internetverbindungen. Außerdem stellen wir sicher, dass nur Mitarbeiter mit den entsprechenden Berechtigungen Zugriff auf Informationen haben und vertrauliche Daten vor der Übertragung stets verschlüsselt werden. Des Weiteren führen wir täglich, wöchentlich und monatlich Datensicherungen durch. Kunden kommen zu uns, weil sie wissen, dass unsere Cloud-Lösungen sicher sind.

Im SAP-Vorstand hat es zuletzt einige Wechsel gegeben. Wie bewerten Sie diese Veränderungen auch im Hinblick auf das Thema Kontinuität?
Hinsichtlich der Veränderungen im SAP-Vorstand und mangelnder Kontinuität brauchen sich die Aktionäre definitiv keine Sorgen zu machen. Von den fünf aktuellen Vorstandsmitgliedern gehören Bill McDermott und Gerhard Oswald dem Gremium schon seit vielen Jahren an. Die anderen drei – Robert Enslin, Bernd Leukert und ich – sind seit 22, 20 und 18 Jahren im Unternehmen. Außerdem haben wir fünf bereits erfolgreich im seit 2012 bestehenden Global Managing Board zusammengearbeitet. Dem aktuellen Global Managing Board gehören ferner mit Helen Arnold und Stefan Ries zwei weitere erfahrene Kollegen an, die seit 18 beziehungsweise acht Jahren für SAP tätig sind. Zusammen steuern wir die SAP.