SAP Weltweit

Helden der Lüfte

Was haben funkelnde Smartphones auf einer Großbaustelle zu suchen?
Viel, wie die Servicetechniker und die IT des Kranbauers Wolffkran beweisen. Einblicke in das moderne Geschäft eines alten Traditionsbetriebes.

Ob beim Bau des höchsten Wolkenkratzers der Welt, des Burdsch Chalifa in Dubai, der Stonecutters Bridge in Hongkong, oder des Hauptbahnhofs in Berlin, sie sind im Einsatz – die Turmdrehkrane und Wipper von Wolffkran. Neben der Fertigung wird die Vermietung immer wichtiger. Die Mietflotte umfasst heute rund 600 Krane. Doch gemietet oder gekauft, kein Kran erhebt sich von allein in die Lüfte. Er muss am Einsatzort montiert werden und mit den Bauten mitwachsen. „Ist ein Kran nicht rechtzeitig einsatzbereit, steht schlimmstenfalls die ganze Baustelle still“, erklärt CIO Andreas Berg. „Daher gehört das Erbringen und Verbuchen unserer

Leistungen auch aus IT-Sicht zu den wichtigsten Aufgaben.“ Früher war das Tagesgeschäft der Monteure weitgehend von der IT entkoppelt und ein Vorgang wurde erst mit dem Abtippen des Nachweisformulars im System sichtbar. „Die Kollegen mussten auf der Baustelle Serviceaufträge mit bis zu sechs Durchschlägen zu Papier bringen“, erinnert sich Berg. Bei monatlich 2.000 bis 3.000 Serviceaufträgen ist das ein enormer manueller Verwaltungsaufwand. Es mangelte an Transparenz und die Abrechnung zog sich in die Länge. Zwar hatte Bergs Team schon mehrere Lösungsansätze evaluiert, doch vermochte keiner zu überzeugen. Mal waren Endgeräte wie Barcodescanner oder RF-Leser zu unhandlich, dann wieder erwies sich die Hard- und Software der Infrastruktur als zu komplex. „Wir wollten keinesfalls neue Middleware anschaffen, denn der Implementierungs- und Wartungsaufwand war uns zu hoch“, gesteht Berg und prognostiziert: „Cloud-Computing ist ein Trend, der alle Bereiche der IT erfassen wird“. Binnen drei Jahren will er die komplette Infrastruktur samt Betrieb auslagern.

Wolke statt Papier

Der schweizerische SAP-Partner coresystems implementierte im Handumdrehen eine Mietlösung aus der Cloud auf einem vielseitigen Endgerät, dem Apple iPhone 4. In knapp drei Monaten krempelten die Kranbauer ihren Middleware-technischen Service um. Der Serviceauftrag wird im Customer-Service-Modul des SAP-ERP-Systems vom Disponeten angelegt und dem Monteur zugewiesen. Mittels eines vom Beratungshaus proaxia entwickelten Konnektors wird der Auftrag via Cloud auf das iPhone übertragen. Der Monteur auf der Baustelle eröffnet den Serviceauftrag mit der entsprechenden coresystems-App, macht Notizen und fotografiert bei Bedarf mit der eingebauten Kamera die Stellen, die ausgetauscht oder nachgerüstet werden sollen. Alle diese Daten fließen ins SAP-System. Ist keine Netzverbindung gegeben, wird die Synchronisation zum nächstmöglichen Zeitpunkt nachgeholt, so dass nichts verloren geht. Da nur Informationen gesendet werden, die sich seit dem letzten Abgleich geändert haben, sind die übertragenen Datenmengen gering und die Mobilfunkkosten zu vernachlässigen. Da sowohl der Prozess, als auch der manuelle Aufwand einfacher geworden sind, lassen sich Serviceaufträge schneller abwickeln, Rechnungen zügiger versenden und die laufend aktualisierten Berichte werden im System bereitgestellt. Als nächstes soll eine Plantafel auf SAP-Basis den Einsatz der Monteure optimieren. Über die iPhones kann der Disponent Außendienstkollegen orten, was die Verteilung auf die Baustellen inklusive Routenplanung erleichtert.

Nächster Schritt: SAP CRM

Was im Service begann, möchte das Team um Berg auch im Vertrieb einführen. Noch 2011 werden die IT-Experten dazu mit SAP CRM 7.0 den Grundstein legen. Da die Lebensdauer eines Krans rund 30 Jahre beträgt, ist die Pflege der Geschäftsbeziehungen und der Kundenstammdaten von strategischer Bedeutung. Das Pilotprojekt findet in Österreich statt und wird dann weltweit ausgerollt. Sobald die CRM-Software läuft, will Berg auch die Vertriebler mit Mobilrechnern ausstatten. „Wenn die Kollegen den Kunden auf einem Tablet-PC Konstruktionszeichnungen zeigen, Angebote konfigurieren und Aufträge anweisen, machen wir einen weiteren großen Schritt nach vorn.“ Schöne neue Welt? Wolffkran zeigt, wie Tradition und Innovation einander ergänzen können. Cloud-Computing und Mobile Business sind dort mehr als nur Schlagworte. Sie tragen messbar zur Wertschöpfung bei und sorgen dafür, dass sich die roten Krane noch lange auf Großbaustellen in aller Herren Länder drehen werden.